Arbeit

Arbeit macht nicht immer Spaß, manchmal stresst und nervt sie einfach. Ohne meine Arbeit aber kann ich meine Rechnungen nicht bezahlen und – noch viel wichtiger – sie gibt mir einen Identifikationspunkt. Ich bin ein Stück weit stolz auf das, was ich bei der Arbeit leiste. So geht es nicht nur mir, so geht es vielen Menschen in unserem Land. Für ein gutes Leben braucht man eine erfüllende Arbeit, die auch anständig vergütet und anerkannt wird. Arbeit bedeutet auch Existenzsicherung und Planungssicherheit für die Zukunft. Das Klatschen für Pflegekräfte während des ersten Shutdowns wirkt im Nachhinein wie blanker Hohn. Der bundesweite Flächentarifvertrag wurde dank der Kirchen erfolgreich verhindert – die Caritas hatte als Arbeitgeber ein Veto eingelegt. Eine gerechte Vergütung für diesen Knochenjob steht also noch aus. Währenddessen schieben Pflegekräfte in ganz Deutschland Überstunden und brennen aus.

Die Arbeit der Zukunft muss sozial und ökologisch nachhaltig sein. Das ist für unsere Region vor allem in den Bereichen Gesundheit und Tourismus wichtig. Wir dürfen unsere Umwelt nicht zerstören und benötigen Löhne, von denen sich die Menschen hier Miete und Leben leisten können.

Ausbildung stärken

Wir brauchen eine Ausbildungsgarantie. Wenn junge Menschen oder Neueinsteiger*innen sich für eine Ausbildung entscheiden, muss für sie sicher sein, dass sie diese auch abschließen können. Wer groß genug ist, um ausbilden zu können, soll dies auch tun und nicht einfach auf Fachkräfte zurückgreifen, die woanders mühselig ausgebildet wurden. Wer das nicht tut, muss eine branchenbezogene Umlage zahlen, um die Unternehmen zu fördern, die ausbilden. Die duale Ausbildung als Erfolgsmodell müssen wir weiter stärken und die Mindestauszubildendenvergütung erhöhen. Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, soll nicht vom Geldbeutel der Eltern oder Krediten abhängig sein.

Gute Löhne

Wir brauchen gerechte Löhne. Mit allgemein verbindlichen Tarifverträgen für eine Branche gelten sie für alle Beschäftigten und Arbeitgeber*innen in diesem Bereich. Gute Tarifverträge funktionieren nur mit starken Gewerkschaften – deswegen bin ich seit 2016 Mitglied bei ver.di. Auch müssen Tarifverträge für alle Subunternehmen gelten. Die Praxis, Arbeit auszulagern, um Tariflöhne zu umgehen, muss enden.

Wer den ganzen Tag arbeitet, muss von seiner Arbeit ohne zusätzliche Unterstützung leben können und sollte auch bei der Rente nicht aufstocken müssen. Dafür bräuchten wir aktuell einen Mindestlohn von 12,50€.

Digitales Arbeiten

Während der Corona-Krise ist für viele das Homeoffice und flexibles Arbeiten von zuhause aus zur Normalität geworden. Neben einer guten Internetverbindung muss aber auch der Rechtsschutz für Arbeitnehmer*innen im Homeoffice vorhanden sein. Dazu zählt eine Arbeitszeiterfassung, ein Recht auf Nichterreichbarkeit, die nötige technische Ausstattung, sowie ein guter Unfallversicherungsschutz. Die Gewerkschaften müssen auch bei digitalem Arbeiten ein Zugangsrecht zum “virtuellen” Betrieb über Plattformen haben – Arbeitnehmer*innen müssen die Möglichkeit haben, sich auf den Plattformen zusammenzuschließen und Bedingungen für die Tätigkeit darauf auszuhandeln.

Für die CO2-Bilanz war das vermehrte Arbeiten aus dem Homeoffice ein Segen. Für Branchen und Berufe, bei denen es grundsätzlich möglich ist, brauchen einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten für einen gewissen Anteil pro Jahr.

Gründer*innen stärken

Innovation hat unsere Wirtschaft schon immer vorangetrieben. Um über Start-Ups hochwertige Arbeitsplätze auch in unserer Region zu schaffen, muss ein Klima entstehen, das Unternehmensgründungen ermöglicht. Dazu braucht man neben der organisatorischen Unterstützung auch einen erleichterten Zugang zu Kapital durch Projektförderung und öffentliche Fonds für Wagniskapital. Durch eine “Kultur der zweiten Chance” auch im Insolvenzrecht muss es möglich sein, mit einer Idee auch mal daneben zu liegen und trotzdem weitermachen zu können.

Wenn es doch nicht so läuft, wie man möchte

Arbeitslos zu sein belastet und ist häufig mit einem sozialen Stigma verbunden. Man schreibt Bewerbung um Bewerbung und irgendwie wird es trotzdem nichts. Gleichzeitig sitzt einem die Bundesagentur für Arbeit im Nacken und man soll mitunter unnütze und nicht zielführende Fortbildungen machen, weil einem sonst Kürzungen unter das Existenzminimum drohen. Hartz IV wie es eingeführt wurde, war ein Fehler. Das sieht auch die SPD.

Die Arbeitslosenversicherung soll deswegen zu einer solidarischen Arbeitsversicherung weiterentwickelt werden. Statt erst zu greifen, wenn Arbeitslosigkeit eintritt, hilft sie dabei, dass diese gar nicht erst entsteht. Der Anspruch auf Qualifizierung (Arbeitslosengeld Q), soll dabei helfen Betroffenen den Rücken frei zu halten, während sie neue Arbeit finden, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Mit einem Recht auf Weiterbildung und beruflichen Neustart in allen Lebensphasen wollen wir den flexiblen Anforderungen unserer Zeit entgegentreten und auch Arbeitnehmer*innen mit 40plus die Chance geben, noch einmal einen ganz neuen Beruf zu erlernen. 

Die Grundsicherung muss grundlegend überarbeitet und zu einem Bürger*innengeld weiterentwickelt werden. Dieses Bürger*innengeld muss zu einem Leben in Würde und gesellschaftlicher Teilhabe ausreichen.

Haben Sie noch Fragen oder fehlt Ihnen etwas? Schreiben Sie mir gerne!